KASPAR MÜLLER. FRANKFURT FREAKOUT 2017-06-22T10:33:41+00:00

Project Description

28. November 2015 bis 14. Februar 2016

KASPAR MÜLLER
FRANKFURT FREAKOUT

TOUR D’HORIZON
Das Bild, das Kaspar Müller (*1983) auf der Einladung wie ein Frontispiz dieser Ausstellung voranstellt, zeigt jenen Raum, der normalerweise im Museum nicht einzusehen ist: die Küche. Wir vermuten sie irgendwo im Raumprogramm jeder Institution, irgendwo muss doch im Museum gekocht werden, auch wenn es nur der Kaffee ist. Sie wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch an einem Ausstellungsort wie dem Museum im Bellpark zu finden sein, wo der ursprüngliche Charakter eines noblen Wohnhauses erhalten blieb. Was der Neugier der Besucher üblicherweise verborgen bleibt, stellt Müller auf der Einladungskarte als Auftakt der Ausstellung voran.

Wohlverstanden, diese Fotografien zeigen nicht die Situation im Museum im Bellpark. Kaspar Müller verweist mit diesen zwei Bildern auf die sogenannte Frankfurter Küche, die 1926 unter den Vorgaben von Funktionalität entworfen wurde. Ironischerweise soll in den abgebildeten Räumen jedoch gerade nicht gekocht werden. Denn die Aufnahme der Frankfurter Küche funktioniert als ein Ausstellungsdisplay, das uns die Küche als Designobjekt vorführt. Unverhofft finden wir uns also im musealen Kontext wieder, wo der Gebrauchswert durch den Schauwert ersetzt wird; Funktionalität und Rationalisierung treten in den Hintergrund zuguns­ten einer spezifischen Präsentationsform. Dürfen wir in dieser Akzentverschiebung einen möglichen Grund für den im Titel angedrohten «Freakout» vermuten, welcher durch die Lokalisierung in Frankfurt auch ein Echo auf das Städel Museum, die Europäische Zentralbank (EZB) oder die Frankfurter Schule erklingen lässt?

Dies nur ein kleines Muster der Müllerschen Denkfiguren, die im Sinne einer Befragung der Wertigkeiten auch die Inszenierung für den Bellpark prägen. Kaspar Müller bringt ausschliess­lich neue Arbeiten mit – auch neue Malereien, die er mit Objekten aus dem Konsumalltag und Möbelstücken aus dem Repertoire der Designgeschichte kombiniert. Er baut dabei eine vielteilige und dichte Ausstellung auf, welche als übergreifende Assemblage das Haus in Beschlag nimmt und das Museum als Institution atmosphärisch umdeutet.

Eine zentrale Rolle spielt auch sein neuer Film, in dem sich der Protagonist entlang der touristisch aufbereiteten Realitäten bewegt. Ohne Drehbuch und ohne vorgegebener Story bereist er alleine, mal begleitet von Freunden, mal von Schauspielern diese symbolisch aufgeladenen Welten des alten Europas. Dabei fliessen hoch und tief, Alltag und Kunst, eigene Bilder und Bildangebote ineinander, so dass der Film wiederum eine eigene durchlässige Realität entfaltet. Kaspar Müller führt uns Betrachter in diesem Nebeneinander von Vorstellung und Realität durch einen anregenden Parcours, der Bedeutungsebenen und deren Verschiebungen zum Erlebnis macht.

Hilar Stadler

müllder

Mittwoch bis Samstag 14-17 Uhr
Sonntag 11-17 Uhr

Bitte beachten Sie, dass das Museum im Bellpark bei Ausstellungswechsel jeweils für zwei bis drei Wochen geschlossen bleibt.

Erwachsene Fr. 10.-,
ermässigt Fr. 8.-
Gruppen (ab 8 Personen) Fr. 8.- pro Person

Museum im Bellpark
Luzernerstrasse 21
Postfach
6011 Kriens
Tel: +41 41 310 33 81
Fax: +41 41 310 93 81
museum@bellpark.ch

Stiftung Erna und Curt Burgauer
Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung
Kanton Zürich, Fachstelle Kultur
RKK Regionalkonferenz Kultur, Region Luzern
Migros Kulturprozent
Raiffeisenbank Kriens
Art Club Museum & Bellpark

 

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